Liebe Gemeindemitglieder, liebe Gäste!

JAHRESLOSUNG 2026:
„GOTT SPRICHT: SIEHE, ICH MACHE ALLES NEU!“ (OFFENBARUNG 21,5)

Grußwort

Der zeitweilig auftretende Wunsch, dass etwas neu werden möge, ist wohl niemandem unbekannt. Mal liegt es in unserer Hand, dass wir etwas neu und anders machen. Ein anderes Mal sind äußere Rahmenbedingungen und Sachzwänge so, dass etwas neu werden muss.
Drei NEUE Dinge gibt es in unserer Kirche und Gemeinde:

  1. Regionalisierung
    Unsere Kirche und unsere Gemeinden werden kleiner. Die zunehmenden Austritte schmälern die Finanzen. In unserer Gemeinde treten jährlich 1-3 % der Gemeindeglieder aus. Infolge dessen gibt es weniger Geld für Personal und Immobilien.
    Die Prognosen für die nächsten Jahre sind dramatisch. Bis 2035 wird es ca. 40 % weniger Kirchensteuer geben – nicht nur wegen der Austritte, sondern weil die Boomer-Generation, die noch mehrheitlich in der Kirche ist, in den Ruhestand geht. In den nächsten 5 Jahren geht 50 % der Pfarrerschaft in Rente, es kommen nur wenige Berufsanfänger nach. Viele Pfarrstellen können schon jetzt nicht mehr besetzt werden. Und es werden deutlich mehr werden.
    Deswegen beginnt mit diesem Jahr bis 2034 ein umfassender Umstruktierungsprozess in der Leitung, der Verwaltung und in den Gemeinden unserer Landeskirche. Die bisher 6 Kirchenkreise sind bereits zu zwei großen zusammengelegt: Die Kirchenkreise Augsburg, München und Regensburg bilden nun den neuen Kirchenkreis Schwaben-Altbayern. Die Kirchenkreise Ansbach-Würzburg, Nürnberg und Bayreuth bilden nun den neuen Kirchenkreis Franken.
    Gemeinden werden sich zu Regionalgemeinden zusammenschließen. Jeweils mindestens 8.500 Gemeindeglieder (in der Diaspora 6.800; „Diaspora“ sind die Regionen, in denen wie bei uns im Westallgäu die Evangelischen in der Minderheit sind) bilden eine Regionalgemeinde. Sie wird von einer geschäftsführenden Person geleitet werden, die vor allem Organisations- und Verwaltungsaufgaben hat. Jede Regionalgemeinde bekommt aufgeschlüsselt eine zu bestimmende Zahl von Hauptamtlichen und entscheidet selbst, wo sie ihre Hauptamtlichen einsetzt. Da es zu wenig Geistliche gibt, werden viele Stelle berufsübergreifend besetzt werden.
    Bis Ende 2026 müssen die Gemeinden sich zu Regionalgemeinden zusammengeschlossen haben – und ein Immobilienkonzept erstellen. Geplant ist, dass es bis 2035 50% weniger Gebäude in der Landeskirche gibt. Zuschüsse der Landeskirche gibt es dann nur noch für die existentiell wichtigen Gebäude.
    Wir als Kirchengemeinde werden eine Regionalgemeinde mit Lindenberg, den Lindauer Gemeinden und Wasserburg bilden (momentan gut 10.000 Gemeindemitglieder). Aufgrund der großen regionalen Unterschiede zwischen unterem und oberem Landkreis wird die neue Regionalgemeinde zwei Kooperationsräume haben, zum einen Lindau/Wasserburg und zum anderen Scheidegg/Lindenberg. Die einzelnen Gemeinden behalten ihre Rechtsform als Körperschaft des öffentlichen Rechts.
    Nicht alles wird sofort neu! Wir beginnen nun diesen tiefgreifenden Umwandlungsprozess und werden Veränderungen vor Ort nach Bedarf und Schritt für Schritt angehen. Die Kirchengemeinden mit ihren Kirchenvorständen sowie die neu zu bildenden Regionalgemeinden haben im Rahmen der vorgegebenen neuen Struktur viel Entscheidungsfreiheit, wie sie die Arbeit in den Gemeinden in Zukunft ausgestalten und leisten werden und können.
    Es wird vieles in unserer Kirche neu und anders werden. Das Bild von Kirche wird sich verändern. Berufsprofile werden sich wandeln. Trotzdem werden wir alles dafür tun, dass wir als Kirche weiterhin flächendeckend vor Ort für die Menschen präsent sind!
  2. Vakanzvertretung
    Nachdem Pfarrer Martin Strauß Ende Mai 2025 die Stelle gewechselt hat, habe ich seit Juni 2025 für Lindenberg die Vertretung der Pfarramtsführung übernommen. Pfarrer Harald Lorenzen versorgt die anfallenden Kasualien (Taufen, Trauungen und Beerdigungen) und andere gemeindliche Veranstaltungen.
    Die Pfarramtsvertretung ist vom Anforderungsprofil und dem Zeitanspruch für mich machbar. Aber natürlich bedeutet die Pfarramtsführung in Lindenberg, dass ich weniger Zeit für unsere Gemeinde in Scheidegg habe.
    So kann es sein, dass bestimmte Veranstaltungen nicht in gewohnter Regelmäßigkeit stattfinden (wie z.B. Konzerte), dass telefonische oder Mail-Anfragen nicht sofort beantwortet werden können oder dass ich hier oder da auch mal sagen muss: „Nein, dafür habe ich momentan keine Zeit!“
    Die Zukunft der Situation in den Gemeinden ist also bei uns schon Gegenwart! Zwei Stellenausschreibungs-Runden haben bisher leider keine/n Bewerber/in gefunden.
    Trotzdem sind wir guter Hoffnung, dass es jemanden Neues in absehbarer Zeit auf der vakanten Pfarrstelle in Lindenberg geben kann. Momentan werden zwei Kurse von fertigen VikarInnen in Gesprächen mit dem Regionalbischof auf freie Stellen verteilt. Dekanin Löser ist zuversichtlich, dass eine Neubesetzung im Herbst Wirklichkeit werden könnte. Wir werden sehen!
  3. Schutzkonzept
    Neu ist, dass wir in unserer Gemeinde nun ein Schutzkonzept zur Prävention sexualisierter Gewalt haben. Seit Mai 2024 haben Renate Reichart, Katrin Horn und ich an der umfangreichen Textvorlage gearbeitet. Wir haben das Schutzkonzept im Kirchenvorstand diskutiert und beschlossen. Von der zuständigen Stelle im Landeskirchenamt wurde es genehmigt.
    Es geht vor allem um eine Sensibilisierung im zwischenmenschlichen Umgang innerhalb der Gemeinde. Um eine erhöhte Achtsamkeit auf den Umgangston, auf möglicherweise diskriminierende oder sexistische Ausdrucksweise und um Grenzüberschreitungen und Fehlverhalten.
    Die Mitarbeitenden werden in Zukunft in diesem Bereich der Prävention fortgebildet und geschult werden. Es gibt veröffentlichte Personen und Stellen, an die man sich als Betroffene/r wenden kann. Und es ist im Falle von Fehlverhalten oder Missbrauch das weitere Vorgehen und Verfahren geregelt.
    Wir werden in Zukunft das Leitbild zum Umgang mit sexualisierter Gewalt sowie Kontaktadressen am Schwarzen Brett, auf unserer Homepage sowie im Gemeindebrief veröffentlichen. Und hoffen, dass eine größere Sensibilisierung für einen respektvollen und die Grenzen des anderen wahrenden Umgangs das Miteinander in den Gemeinden spürbar fördern und wahren kann.
    [Weitere Informationen zu diesem Schutzkonzept (Link).]

„Siehe, ich mache alles neu!“
Manches wird also neu. Muss neu werden. Darf neu werden.
Aber zum Glück wird nicht alles neu! Manches von dem, was bleibt an gewohnten Angeboten, Veranstaltungen und Gottesdiensten finden Sie/findet Ihr in diesem Gemeindebrief bzw. auf unserer Homepage. Viel Spaß beim Lesen!

Ihr/Euer Pfarrer Uwe Six