Liebe Gemeindemitglieder, liebe Gäste!

Weniger ist mehr?

Wir erleben gerade eine Zeit voller Krisen: Erst die Pandemie, die uns immer noch beschäftigt. Dann der Ukraine-Krieg, dessen Ende noch nicht absehbar ist. Dazu die dramatischer werdenden Auswirkungen des Klimawandels, die uns vermehrt Extrem-Wetter bescheren. Und jetzt noch eine Verschärfung des Konflikts um Taiwan, bei dem die Großmächte USA und China zunehmend Droh-Kulissen aufbauen.

Wir mussten in den letzten Monaten lernen, wie fragil globale Lieferketten sind und in welche jetzt fragwürdigen Abhängigkeiten wir uns hineinbegeben haben, siehe unsere Abhängigkeit von russischem Gas und fossilen Energien.

Wenn man etwas Gutes in den Entwicklungen der letzten Monate sehen will, dann ist es wohl die Tatsache, dass nun alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um eine wirkliche Wende hin zu erneuerbaren Energien durchzusetzen. Viel zu lange wurden die dazu nötigen Entscheidungen auf die lange Bank geschoben, weil es für alle bequemer war und der Leidensdruck noch nicht groß genug war.

Nun sehen wir mit großer Sorge auf den kommenden Herbst und Winter, auf eine wahrscheinliche Energie-Knappheit und auf horrende Gas- und Stromrechnungen. Klar scheint zu sein: wir werden sparen und uns einschränken müssen, nicht nur beim Gasverbrauch. Unser Wohlstand wird weniger werden. Manche werden in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht sein. Und zu befürchten ist, dass soziale Spannungen und Verwerfungen in unserer Gesellschaft zunehmen werden.

Beim Propheten Hesekiel heißt es aus dem Mund Gottes: „Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben, und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.“

Vielleicht ist jetzt der Moment, wo wir uns als Einzelne und als Gesellschaft tiefgreifend erneuern können: Indem wir auf manches verzichten, was nicht lebensnotwendig ist. Indem wir Ansprüche zurückschrauben – auch zugunsten derer, die jetzt existentiell unterstützt werden müssen. Indem wir Freiheit nicht allein als Freiheit zu unserem persönlichen Tun und Lassen begreifen, sondern als eine Freiheit, in der wir auch durch ein persönliches Weniger Menschen in Not sowie der ausgebeuteten Schöpfung helfen.

Es könnte eine Zeit sein, in der wir mehr Gemeinsinn entdecken und wieder mehr auf den anderen schauen. Wünschenswert wäre, wenn wir miteinander rund um die Krisen diskutieren und streiten, uns aber nicht gegenseitig verurteilen, Hass schüren und eben nicht mehr miteinander reden können.

Dies soll kein Loblied auf ein „Weniger (Haben) ist mehr (an Sein, am Wesentlichen)!“ sein. Sondern ein Appell, dass wir diese Krise(n) nutzen können für ein Mehr an sozialem und gesellschaftlichem Zusammenhalt – der in Krisen so dringend nötig ist und ohne den die Herausforderungen nicht zu bewältigen sein werden. Und: wir können und müssen diese Krise(n) nutzen, um wirksam alles zu tun, um den fortschreitenden Klimawandel zu stoppen. Noch ist Zeit!

Alles unter der Verheißung und Zusage, die in den Klageliedern des Jeremia dem Leidenden zugesprochen wird: „Die Güte des Herrn ist´s, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu und seine Treue ist groß.“ (Klgl 3, 22f)

Gott befohlen!

Ihr/Euer Pfarrer Uwe Six



 

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